Das Spiel:

 

Was für ein tolles Spiel. Da es so toll war, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann und der Gegner eh weiß, wie toll sie gespielt haben, hier stattdessen ein alter Schulaufsatz von mir:

Der schmutzige Handschuh

„PATSCH“ machte es und Fräulein Kunigund wusste nicht wie ihr passierte. Sie spürte lediglich, dass ihr etwas ins Gesicht geklatscht war, den unzierlichen Abdruck des Handschuhs in ihrem an sich hübschen Gesicht konnte sie schließlich nicht sehen. Doch ebenfalls interessant war die Hand, die der „anbrausende“ Handschuh verlassen hatte oder besser gesagt, die Person der diese Hand zugehörig war.

Es handelte sich hierbei um den stolzen Ritter Delorges, der der Aufforderung Kunigunds, ihren „ach so unabsichtlich“ in die mit Raubkatzen gefüllte Arena fallen gelassenen Handschuh wiederzuholen, nachgekommen war.

Delorges war nicht irgendein Ritter, er unterschied sich in vielen Dingen von seinen Kollegen. Ritter Delorges war der Zeit in der er lebte, immer schon weit voraus gewesen. Er interessierte sich nicht sonderlich für die oft sinnlosen und teilweise sogar wahnwitzigen Bräuche, die zu einem Ritterdasein dazugehörten. Man darf das selbstverständlich nicht falsch verstehen, Delorges war nicht irgendein dahergekommener Möchtegern, ganz im Gegenteil. Er zählte zu seiner Zeit zu den mutigsten seiner Art. Er vollbrachte die schwierigsten Heldentaten und bekleckerte sich mit Ruhm wie ein kleines Baby, das mit beiden Händen ein Tiramisu in sich hineinstopft es tut. Ebenso war er fast immer zur Stelle wenn irgendwo Not oder Unheil herrschte. Ritter Delorges zeigte bloß an nutzlosen Kampfschauspielen kein großes Interesse.

Überhaupt war er wohl einer der wenigen sittlichen Ritter in der damaligen Gesellschaft. Er mordete nicht, er folterte nicht und er beutete seine Untertanen auch nicht aus, bloß um sich persönlich zu bereichern, wie es die meisten seiner Ritterkollegen taten. Delorges war ein überaus moderner Ritter. Seine Art der Kommunikation war ebenfalls nicht mit der der anderen Ritter zu vergleichen. Oft verzichtete er auf unnötige Höflichkeitsfloskeln und bevorzugte die direkte und ehrliche Art zu sprechen.

Seine Leidenschaft und Konzentration galt etwas komplett anderem. Nämlich der Welt der Frauen. Doch eine Frau, Fräulein Kunigund, hatte es ihm besonders angetan, jedenfalls bis zu dem erniedrigenden Zwischenfall in der Arena.

Wie Schuppen war es Delorges von den Augen gefallen, dass Kunigund die meiste Zeit nur mit seinen überaus ehrlich gemeinten Gefühlen gespielt hatte. Die Liebe, die er Kunigund entgegen brachte war groß, doch seine Persönlichkeit ebenfalls und so kam es zu diesem Zwischenfall mit dem besagten Handschuh.

„Ihr wagt es mir solch eine Demütigung zu bescheren, Delorges!“

„Die Demütigung ist ganz meinerseits, mein Fräulein!“

„Sprecht nicht in diesem Ton mit mir!“

„Ich kann auch ganz anders, Gundel!“

„Was erlaubt ihr euch eigentlich! Mich vor all diesen Leuten hier zu beleidigen!“

„Nicht ich hab’ dein Leben in Gefahr gebracht, nur aufgrund eines absolut primitiven Verlangens nach Selbstbestätigung!“

„Selbstbestätigung brauche ich nicht, das gesamte Volk liegt mir zu Füßen, selbst diejenigen die sich eurer getreu nennen, würden meine Füße küssen, verlangte ich danach!“

„Macht für mich den Grund für deine Handlung nicht minder schleierhaft. Und hör doch endlich mit diesem geschwollenen Gerede auf, wenn wir zu zweit sind redest ja auch nicht so. Es reicht mir jetzt, ich werde gehen. Such dir einen neuen Handschuhaufklauber!“ Sprach Delorges, der stolze, aber höchst ungewöhnliche Ritter und ließ die verdutzt blickende „Gundel“ sprichwörtlich im Regen stehen.

Und tatsächlich zogen Wolken auf. Doch es waren Wolken im Inneren Kunigunds, die das Antlitz ihrer Seele umhüllten und verdunkelten. In ihrem Herzen hatte sich ab diesem Moment ein Hebel umgelegt. Fräulein Kunigunde begann zu begreifen. Dieser Ritter Delorges war nicht bloß irgendein naiver, liebeskranker Verehrer gewesen, sondern hatte mehr Anstand, Selbstvertrauen und vor allem Persönlichkeit als all diese Langweiler, die vor ihm Kunigunds Balkon belagert hatten.

Kunigunde hielt den, noch immer vom Sand der Arena befleckten Handschuh in ihren Händen und starrte ihn an. Und plötzlich wurde Kunigund etwas klar: Sie hatte sich in Ritter Delorges verliebt. Auf einmal packte sie das bedrängende Gefühl all diese Regungen und Spannungen, die sich in ihrem Inneren breit gemacht hatten herauszulassen. Sie rannte auf den Balkon und schrie: „Ritter Delorges, ich liebe dich!“

Nun kam sie sich dumm vor. „Du dummes, dummes Weib, es ist zu spät!“, schimpfte sie mit sich selbst beziehungsweise später ihr Spiegelbild, als sie dabei war sich anmutig, ihr wunderschönes schwarzes Haar zu kämmen. Fräulein Kunigund legte den schmutzigen Handschuh, das Symbol der großen Dummheit, die sie begangen hatte auf das Geländer des Balkons und wandte sich mit den Worten „Sollen ihn doch die Geier holen!“ von ihm ab.

Es dauerte nicht lange und die Verehrer der schönen Kunigund standen wieder unter ihrem Balkon Schlange. Es war so, als ob die Ritterschaft beschlossen hätte, dass sich Kunigund nun langsam von ihrem Schock erholt haben sollte.

Einer dieser Verehrer war Ritter Eisenohr. Er hieß so weil sein rechtes Ohr tatsächlich aus Eisen bestand, jedoch wusste keiner warum dem so war. Gerüchten zufolge hatte er einst in einer Schlacht sein ursprüngliches Ohr durch ein feindliches Schwert verloren, doch viel mehr war nicht bekannt.

Jedenfalls war er einer der hartnäckigsten Verehrer Kunigunds und von der Sorte „ich bekomme das was ich will“. Kunigund, die keine große Lust mehr am „Testen“ von Männern empfinden konnte und ohnehin den Glauben an die wahre Liebe verloren hatte, gab dem ehrgeizigen Eroberungsdrang des Ritters Eisenohr nach und die beiden landeten in Rekordzeit vorm Traualtar.

Erwartungsgemäß entpuppte sich Eisenohr als ein Tyrann, der Liebe lediglich auf regelmäßigen brutalen Geschlechtsverkehr reduzierte. Die Zeitpunkte waren selbstverständlich von ihm gewählt, doch es war auch nicht schwer für Kunigund zu erraten, was ihr Ehegatte wollte, als er von einem Kampf oder einer anderen ritterlichen Beschäftigung nach Hause kam.

Sie ließ alles bloß über sich ergehen, den „Liebesakt“, die Tyrannei ihres Ehemanns, ja eigentlich ließ sie die gesamte Ehe bloß über sich ergehen. Ihre Lebenslust war auf den Nullpunkt und wahrscheinlich noch tiefer gesunken. Doch das Schicksal sollte Kunigund noch eine neue Chance bieten. Eines Tages kehrte Ritter Eisenohr nämlich nicht mehr von einer Geschäftsangelegenheit nach Hause zurück. Er war unterwegs, im Wald von gut organisierten Räubern in einen Hinterhalt gelockt worden. Es vergingen viele Tage bis man den Leichnam des Ritters Eisenohr fand.

Kunigunde nahm die Überbringung der Todesnachricht ohne eine einzige Gefühlsregung zur Kenntnis. Sie war nun nicht viel einsamer als sie es in ihrer Ehe gewesen war. Kunigund hatte keine Lust mehr zu leben.

Einsam spazierte sie durch die Räumlichkeiten ihres Anwesens, bis sie am Balkon angelangt war. Sie erblickte den schmutzigen Handschuh, welcher noch immer verschmutzt so dalag, wie ihn Fräulein Kunigund hingelegt hatte. Noch immer war er Symbol für die Dummheit, die Kunigund vor längerer Zeit begangen hatte. Noch immer erinnerte er das arme Fräulein Kunigunde an Ritter Delorges, dessen Erinnerung in all der Zeit so oft durch ihre Gedanken gegeistert war.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Kunigund beschloss persönlich zu öffnen. „Wer ist da und was willst du?“ Fragte sie, auf jegliche Höflichkeitsfloskel verzichtend. „Mich deucht ihr könntet möglicherweise neue Handschuhe gebrauchen, schönes Fräulein!“ Es war ein lächelnder Ritter Delorges. Alte Liebe rostet eben nicht.

 

Max Gfrerer 7.B.

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