Das Spiel:

USK Vienna Vibes vs. FC Endstation Hernals. Es war das absolute Spitzenspiel in der zweiten Rückrunde. Dass es wahrscheinlich beide Mannschaften nicht als das ansehen wollten was es war, lag daran, dass es zum ersten wichtig war, mental am Boden zu bleiben, zum zweiten auch nur drei Punkte zu vergeben waren und zum dritten der vorentscheidende Charakter, aufgrund der noch zu jungen Saison, eher überschaubar war. Insofern war es ein Duell zweier 1. Klasse-Spitzenmannschaften mit viel Prestigegehalt. Dass beide Teams es nur sehr schwer aushalten, gegen den jeweils anderen als Verlierer vom Platz zu gehen, wurde ja bereits in der Saisonvorschau erwähnt. Aber dennoch wollte man in eine solche Partie nicht mehr reininterpretieren als notwendig. Dass sich dieses Kräftemessen in Atzgersdorf als etwas ganz Besonderes herausstellen würde, davon ahnte im Vorhinein natürlich niemand etwas.

Mentale Stärke vs. Unsicherheit

Eigentlich beginnt die Partie ja auch wie einige andere zuvor schon gegen die Hernalser. Mit einem nicht von Anfang an völlig munteren USK und überlegenen Gästen. Eines muss man den Endstationären nämlich lassen. Noch nie waren die Gelb-Schwarzen nicht von der ersten Minute an komplett im Spiel. Zumindest war das gegen uns immer so. Da können die Vibes sich ein paar mentale Scheibchen auf jeden Fall abschneiden.

Mentalität hin oder her, ärgerlich ist eine der ersten Situationen. Ein weiter Einwurf der Hernalser wird abgescherzelt, Luke Schmidl steht völlig frei am langen Eck und trifft zur kalten Dusche (4.). Warum ist das so besonders ärgerlich? Weil wir etwa 20 Minuten zuvor in der Kabine exakt solche Situationen besprochen und uns einen Reaktionsplan zurechtgelegt haben. Dass die Endstation weite Einwürfe kann, die ganz gern aufs lange Eck verlängert werden, sollte ja mittlerweile bekannt sein. Trotzdem wirkte die Vibes-Hintermannschaft nicht so, als wäre sie irgendwie darauf vorbereitet gewesen.

Ähnlich verhält es sich mit dem 0:2 durch Esmir Zenuni (15.). Wie eigentlich in der gesamten Anfangsphase ist der USK auch hier immer einen Schritt zu spät, im Nachrücken weit nicht so aktiv wie der Gegner und am Ball haarsträubend verunsichert. Diese allgemeine Verunsicherung hätte sich auch in einem höheren Rückstand niederschlagen können. Die Chancen waren auf jeden Fall da.

Es ist besonders den extrem starken Standards zu verdanken, dass die Vienna Vibes überhaupt in diese Begegnung zurückfinden. Milan hat sein Visier heute ganz genau eingestellt und spielt einen Zuckerball nach dem anderen in den Sechzehner. Dort bewegen sich unsere Rot-Weißen sehr gut und kommen immer wieder vor dem Gegner, der eigentlich nicht als standardschwach gilt, ans Leder. Alleine Martin hat dadurch zahlreiche Top-Gelegenheit auf dem Kopf wie auf dem Fuß.

Diese Strafraumszenen zeigen bei der bis dahin unangetasteten Endstation etwas Wirkung. Die eigene Verwundbarkeit hat schon so manches Angriffsfurioso gehemmt. Bei den Vibes kehrt das Selbstvertrauen in die Reihen zurück, die Aktionen werden insgesamt sicherer und zielführender. Einzig ein gegnerischer Akteur strahlt bis zur Pause eine selten dagewesene Unüberwindbarkeit aus: Der Tormann. Emanuel Paludo fischt so manches fix geglaubte Tor noch irgendwie aus dem Eck und mutiert regelrecht zum Hexer. So bleibt es beim 0:2 zur Halbzeit, obwohl es gut und gern wesentlich mehr Tore auf beiden Seiten hätte hageln können.

Comeback des Jahres

Aufgrund des Verlaufs des ersten Durchgangs bleiben unsere Vibes hoffnungsvoll für die zweiten 45 Minuten. Der Start gelingt verheißungsvoll. Nur fünf Minuten vergehen und die Partie ist wieder offen.

Ein langer Ausschuss wird von Otis retour genau in den Lauf von Milan geköpft und der überhebt gekonnt, wie man es von ihm gewohnt ist, den herauseilenden Torhüter zum 1:2 (50.).

Allgemein erweist sich der schnelle hohe Ball heute als probates Mittel. Zwar wird auch auf dem Boden immer wieder flott kombiniert, aber richtig wirkungsvoll sind heute unerwarteter Weise, die öfters eingestreuten weiten Bälle, die die großgewachsene Hintermannschaft der Hernalser in der 50. Minute erstmals überraschen konnten.

Von hier an entfalten die gute USK-Vorbereitung auf der einen und die Tatsache, dass die Ratten aus Hernals ihr erstes Pflichtspiel absolvieren, auf der anderen Seite, ihre volle Wirkung. Denn die Vibes übernehmen mehr und mehr das Kommando und finden tolle Ausgleichschancen vor.

Gerade als die Partie etwas einzuschlafen droht, offenbart auch der letzte Hernalser seine Sterblichkeit. Der ansonsten überragende Torhüter verschätzt sich bei einem Eckball und die Kugel fällt dem überraschten Max über die Keeper-Fingerspitzen hinweg auf die Birne. Ausgleich (80.).

Das ist der Aufwecker für eine fulminante Schlussphase. Die Wiederkehr des USK-Geists. Und jeder weiß, dass dieser wenn er einmal da ist, nicht mehr verschwindet.

So ist es kurz vor Schluss (85.) abermals ein weiter Ball, der, von der gelb-schwarzen Abwehr falsch berechnet, genau in Milans Lauf landet. Der taucht alleine vor der Schlussratte Paludo auf, die ob des sauberen Abschlusses diesmal keine Abwehrmöglichkeit hat. Eine extatische Gefühlsexplosion ist die Folge. Alle stürzen sich jubelnd auf Milan. Das Spitzenspiel ist gedreht, das Spiel ist gewonnen. Oder doch nicht?

Der Gegner scheint klinisch tot, um in der 89. Minute doch noch ein Lebenszeichen von sich zu geben. Foul an der Strafraumgrenze. Ratte Nummer elf läuft an und zimmert die Kugel ins Kreuzeck. 3:3, das gibt’s doch nicht!

Und gerade als sich der eine oder andere USKler schon denkt „schon wieder der gleiche Scheiß wie letzte Woche" (auch da haben wir ja bei einer schon fast gewonnenen Partie wieder kurz vor Schluss kassiert), erkämpft sich der zuvor eingewechselte Steph (in seinem ersten Pflichtspielauftritt seit etwa einem Jahr) den Ball. Natürlich nach einem hohen Pass über das Mittelfeld hinweg. Der Verteidiger wirkt müde, Steph wild entschlossen. Unser bajuwarischer Hüne erobert das Leder, taucht alleine vor Paludo auf und präsentiert diesem seine Nerven aus Stahl. 90. Minute. 4:3. JA GIBT’S DENN DAS?!

Ab hier gibt es kein Halten mehr. Nicht im Publikum, nicht auf der Bank und schon gar nicht am Spielfeld auf dem der Torschütze inmitten einer gigantischen Jubeltraube versinkt. Diese Partie war verloren, gewonnen und wieder entrissen, nur um zum Schlusspfiff in Vibes’schen Jubelchören zu enden. Noch nie haben die Vienna Vibes als Mannschaft eine derartige Gefühlsachterbahn durchlebt.

Im Gegensatz zur letzten Woche war dieses würdige Match wieder Werbung für Hobby-Fußball wie er sein sollte. Seinen Teil dazu beigetragen hat auch der Gegner, der sich wie schon in der Hinrunde von seiner fairen Seite gezeigt hat. Vielleicht werden wir ja doch noch Freunde.

MG

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