Liebes Tagebuch,
wisst ihr welcher Moment noch nie stattgefunden hat? Der, dass ich den Trainingslager-Tagebucheintrag geschrieben habe und dem eine motivierte und enthusiastische Freiwilligkeit vorangegangen ist. „Hey, das Los hat mich getroffen, kein Problem, eh cool, heut ist voll viel passiert und es ist mir eine Ehre, das in eine literarische Form zu gießen.“ – nie passiert.
Warum ist das nie passiert? Weils immer ein Bissl unfair ist, wenns mich erwischt. Jaja, heul leise, ich weiß. Aber man muss sich das mal vor Augen führen. Wie sie alle geifernd drauf warten, dass ich drankomme. Wie sie vorher schon versuchen, mich in eine Handycap-Position zu bringen, weil ich zu irgendeinem fiktiven Treffpunkt angeblich 30 Sekunden zu spät gekommen bin. Und dann kommt es tatsächlich so, dass mein Name der letzte verbliebene im Loskapperl ist. Dabei wäre ein Eintrag vom Geburtstagskind Philipp (war mit mir unter den letzten zwei) auch so herrlich grausam gewesen.
Naja, jetzt bins halt ich und schreib, völlig übermüdet von meinen sonstigen ausufernden vereinsspezifischen Verpflichtungen, was heute so passiert ist. Abgelenkt von der parallel laufenden Conference League-Übertragung bin ich auch.
Könnt also Bisschen wirr werden, das Ganze. Also: Auslosung zum Tagebucheintrag hätten wir schonmal. Was noch?
Aja, für die die es noch nicht mitbekommen haben: Wir sind wieder auf Trainingslager. Eh wieder in Mönichkirchen, eh wieder bei den wundervollen Thiers. Also dahingehend soweit alles gewohnt super. Auch das erste Training verlief reibungslos mit guter Energie und ohne Verletzte.
Ein Highlight war auch das darauffolgende Standortgespräch, das auch heuer wieder nichts mit dem Standort Mönichkirchen zu tun hat. Viel mehr mit uns und unserer Mannschaft. Leiwand waren auch die verdatterten Gesichter, als sie gecheckt haben, dass das Gespräch keine Gelegenheit ist, die Füße hochzulegen und mit offenen Augen vor sich hinzudösen, sondern eine astreine Gruppenarbeit mit anschließendem Referat. Haben die Buben trotzdem gut gemacht.
Anschließend führte uns unser Weg nicht wieder auf den Trainingsplatz, sondern den Berg hinauf. Was soll man sagen. Die idyllische Natur, die frische Bergluft und das kühle Bier auf der Hüttn sind eine herrliche Abwechslung zu der vergangenen Woche Großstadtsauna.
Wir sind dann auch wieder den Berg hinunterspaziert, weil sie uns zu später Stunde komischer Weise nicht mehr mit den Mountainkarts runterflitzen lassen wollten. Es war zwar keiner da, der es uns verbieten hätte können, blöderweise aber auch niemand, der uns ein Gefährt unter den Hintern setzen hätte können.
Dafür bot der Abstieg die Möglichkeit sich weiter untereinander auszutauschen und herauszufinden, wie so ein GenZler seinen typischen Abend eines normalen Arbeitstags verbringt. Komischer Weise gar nicht so anders, wie ein Millenial, nur halt ohne Kinder.
Dass wir nur ein Training hatten, merkt man übrigens auch. Alle sind voll munter und unausgelastet, was, trotz anspruchsvoller Bergwanderung, niemanden davon abhält noch ein „Mönichkirchen Closed“ abzuhalten – eine Art Triathlon aus Darts, Tischfußball und Tischtennis. Wer das gewonnen hat, soll der arme Schreiberling morgen schildern. Vermutlich eh der Oberehrgeizler Jakob, der sich als einer der Wenigen die Lektionen in Sachen Winning Culture anrechnen lassen hätte können.
Ich beschließen diesen Eintrag, wie ich ihn begonnen habe: mit einer Frage. Wisst ihr was mit Abstand der mieseste Witz ist, der am Trainingslager dennoch jährlich hartnäckig die Runde macht? Ich sag’s euch: Irgendeiner schreibt in unsere WhatsApp-Gruppe „Happy Birthday XYZ“, obwohl XYZ gar nicht Geburtstag hat und provoziert damit andere nicht Anwesende zu sinnlosen Glückwünschen. Dann hauen sich alle ab. Ich muss sagen, ich finds eigentlich eh immer noch lustig. In diesem Sinne: Happy Birthday, Philipp, hihi! Oder hat der sogar wirklich? Hmmm.
MG