Zu Beginn eine absolute Gewissheit: USK-Spiele gehen derzeit 3:2 aus. Bis jetzt waren wir stets die Mannschaft unter dem Dreier, doch, dass das kein festgeschriebenes Gesetz ist, mussten wir am vergangenen Freitag erfahren.
In Wahrheit hatte dieses Aufeinandertreffen mit dem Tabellenführer Sektor 17 aber weit mehr zu bieten, als diese lahme Zahlenspielerei. Hier trafen zwei bis dato makellose Mannschaften im absoluten Spitzenspiel der Unterliga B aufeinander. Heute konnte aber nur maximal eines der beiden Teams seine blütenweiße Weste behalten. Die Motivation war auf beiden Seiten spürbar groß – wie könnte es auch anders sein.
Sektor 17 hatten wir zwar schon vor der Meisterschaft am Zettel, aber dass die Jungs ihre bisherigen Meisterschaftsgegner teilweise mit Eishockey-Ergebnissen vom Platz schickten, war im Vorfeld durchaus respekteinflößend. Da konnten wir mit unserer Liebe zum 3:2 nicht mithalten. Die Favoritenrolle lag daher schon bei den Gastgebern, zumal der kleine Fortuna-Platz, auf dem sich die Sektoren so wohl fühlen, sowas wie die Antithese zum eher weitläufigen Wienerberg darstellt. Ein richtiges Auswärtsspiel, das die Vibes da also vor der Brust hatten.
In aller Plötzlichkeit from the top to the bottom
Umso überraschender die Anfangsphase für alle Beteiligten. Denn der USK schnürt die erfolgsverwöhnten Tabellenführer in den ersten zehn Minuten regelrecht hinten ein, spielt druckvoll und geht verdientermaßen durch einen satten Schuss von Oskar mit 1:0 in Führung (11.).
Kurze Zeit später folgt der Bruch. In Rekordzeit wechseln wir von der sportlichen Augenhöhe zu gravierender Unterlegenheit. Dass der Gegner mit Fortdauer besser ins Spiel finden würde, damit war zu rechnen, unsere Reaktion auf das erstarkte Sektor 17 ist jedoch nicht gut. Spätestens nach 20 Minuten befinden wir uns unter Dauerdruck, ohne Entlastung nach vorne und betteln förmlich um den Ausgleich. Dass dieser erst in der 40. Minute fällt, ist vor allem einem starken Hans im USK-Tor zu verdanken, dessen Leistung auch die Gegner nach dem Spiel dermaßen oft goutieren, dass es ihm sichtlich unangenehm wird.
Weil wir uns darum nichts kaufen können. Es gelingt leider nicht selbst dieses Remis in die Pause zu retten, weil Sektor 17 infolge eines Eckballs noch vor der Halbzeit das Spiel dreht (44.).
Pfiff. Wir sammeln uns noch einmal in der Kabine, besprechen, taktieren und gehen, ob des knappen Spielstandes, mit neuem Mut in die zweite Halbzeit.
Und tatsächlich wird es besser. Ein Bisschen. Wir haben etwas mehr Ballbesitz, der Gegner aber weiterhin vor allem offensiv die höhere Qualität. Sektor spielt schneller, zielgerichteter und hat auch nach Seitenwechsel die wesentlich klareren Torchancen – auch wenn das Pulver Mitte des zweiten Durchgangs langsam verschossen scheint.
Doch gerade in einer Phase, in der gar nicht mehr so viel von den Heimischen kommt und sich die Vibes immer besser befreien können, fällt das etwas zu billige 1:3 (75.).
Am Ende noch knapp
Wir geben aber nicht auf. Die Schlussphase dominieren die Vienna Vibes, nach Umstellung auf eine sehr offensive Dreierketten-Formation sogar recht klar. Die Belohnung ist der Anschlusstreffer durch Max per Kopf, nach Freistoß von Lenny (81.).
Die Schlussoffensive ist somit eingeläutet und am Ende liegt der Ausgleich in der Luft. Doch unserem letzten Aufbäumen fehlt die Struktur. So bringt der Hauruckfußball der letzten Minuten zwar viel Spannung und Druck – auch weil Sektor nun keine Entlastung mehr zustande bringt – jedoch keine weiteren nennenswerten Tormöglichkeiten für den USK.
Daher bleibt es bis zum finalen Pfiff bei unserem „Lieblingsergebnis“ in reverse. 2:3.
Eine Medaille mit zwei Seiten. Wir haben einen wirklich starken Gegner, der mittlerweile bei 15 Pflichtspiel-Siegen am Stück hält, auswärts immerhin an den Rande eines Punkteverlusts gebracht. Allerdings liegt der rasche Absturz der ersten Halbzeit, von einer furiosen Anfangsphase hin zu 30 Minuten, in denen die Vibes absolut keinen Fuß auf die Erde gebracht haben, schwer im Magen.
Zusammengefasst: der Gegner: sehr sympathisch und auch sehr stark, der Sieg ist völlig verdient. Wir: haben wieder was zum Aufarbeiten, Trainieren und Entwickeln. Dritte Halbzeit: nach hartem Kampf gewonnen und vom Kantineur dann höflich rausgeschmissen worden. Ist doch was.
MG