Bei allem Respekt vor dem Gegner, der sich in dieser Saison sicherlich etwas unter Wert schlägt und in einer ausgeglichenen Liga derzeit das Tabellenende ziert – wenn der Tabellenletzte auf den Wienerberg kommt, dann wäre für uns als USK alles andere als ein Sieg eine große Enttäuschung.
Dass aus diesem Heimspiel also zwingend drei Punkte mitgenommen werden sollten, war die eine Sache. Mindestens genauso wichtig war aber der mentale Auftritt, nachdem wir in der Vorwoche doch so einige Prozentpunkte vermissen haben lassen.
Die Ausgangsbedingungen setzten uns dabei unter Lieferdruck, denn eventuelle Ausreden lagen, im Gegensatz zu diesem Unspiel gegen Hotel Kalcio, nicht schon vorab auf der Hand. Der Kader? weiterhin dünn, aber gut. Das Wetter? Angenehme 20 Grad. Der Ball? Gut aufgepumpt. Der Heimplatz? Good old Wienerberg. Der Gegner? Steht unter anderem deshalb dort wo er steht, weil er eben nicht jeden Fehler sofort bestraft.
Klares Übergewicht nach Anfangsnervosität
So geschehen in der Anfangsphase als die Vibes komplett nervös, mehrmals den mutig anlaufenden Gästen die Pässe aus der Abwehr hinservieren. Folgenlos zum Glück.
Es ist jedoch nicht so, dass District West uns einfach nur leben lässt, unsere Rot-Weißen haben schon auch aus dem müden Auftritt der letzten Runde gelernt und präsentieren sich wesentlich bissiger, wodurch, nach überstandenen Anfangsminuten, Spielkontrolle und ein klares Übergewicht hergestellt werden können.
Für eine Vielzahl an Tormöglichkeiten spielen wir aber zu kompliziert und phasenweise entscheidungsschwach. Deshalb geht es torlos in die Pause.
Die Vienna Vibes sind allerdings eine Mannschaft, die in der Lage ist, zu lernen und korrekte Schlüsse aus sich ergebenden Problemstellungen zu ziehen. Das haben wir schon oft in dieser Saison bewiesen. So bedarf es einer kleinen personellen Umstellung und dem Willen, etwas mehr ohne Ball und etwas weniger mit dem Leder zu laufen.
Dadurch erhöhen wir den Druck und kommen endlich richtig gefährlich vors Tor der leidenschaftlich verteidigenden Westler. In der 60. Minute bringt das unser erstes großes Erfolgserlebnis. Der extrem umtriebige Oskar – heute als Solospitze aufgeboten – kommt im Strafraum an den Ball, zieht ansatzlos ab und versenkt die Kugel in der linken unteren Ecke.
Wir nutzen sogleich das Momentum und legen nur drei Minuten später (63.), nach wunderbarer Kombination, mit dem doppelten Oskar nach.
Souveränität, die in Luftigkeit umschlägt
Die nun wiedererlangte Souveränität ist spür- und sichtbar anhand unseres sehr sicheren Passspiels und weiteren guten Tormöglichkeiten. Der doppelte Oskar will unbedingt zum Hattrick-Oskar werden, scheitert allerdings an der Latte.
In der Schlussphase kämpfen wir noch etwas dagegen an, nicht zu geil aufs Toreschießen auf Kosten defensiver Luftigkeit zu werden, alles in allem kommt dieser Sieg aber nicht mehr in Gefahr.
Die Wiedergutmachung für das verlorene Spitzenspiel ist geglückt, auch wenn die Voraussetzungen an diesem Tag ganz andere waren. Am kommenden Samstag wird’s allerdings wieder heftig. Da treffen wir nämlich auf sich in guter Form befindende Kasnudln, die den Anschluss ans Spitzenfeld geschafft haben. Eine willkommene Gelegenheit zu beweisen, was unsere wiedergefundene Resilienz wert ist.
MG