Wir wiederholen uns. Mehrmals. Das ist einerseits positiv, weil gegen Fi der zweite Sieg im zweiten Meisterschaftsspiel gelang, aber andererseits auch ein stetes Spiel mit dem Feuer. Wir erinnern uns an unser letztes Vorbereitungsmatch gegen Royal Rainer: 3:2-Sieg nach 3:0-Führung. Wir erinnern uns an den Meisterschaftsauftakt gegen Neulandschule: 3:2-Sieg nach 3:0-Führung. Und nun daheim gegen Fi: wieder ein 3:2-Sieg.

Beschweren sollten wir uns nicht, von uns aus kann es ergebnistechnisch gern so weiter gehen, aber die Spielfilme dieser Matches sind zuweilen nichts für schwache Nerven. So auch an diesem vergangenen Sonntagabend.

Schnellstes Tor der USK-Geschichte? Wir werden’s nie erfahren.

Zunächst läuft alles wie vorgenommen. Untertreibung! Der erste toll herausgespielte Angriff landet schon im Netz der Filer. Wir gehen auf der rechten Seite schön durch und Kyryl verwertet staubtrocken zum 1:0 (1.). Und hätten wir die Kamera rechtzeitig aufgedreht, dann wüssten wir auch, ob unser Ukrainer Martins acht Jahre alten Baumgartner-Gedächtnis-Rekord des schnellsten erzielten USK-Tores gebrochen hat. So darf Letzterer, der ebenfalls am Platz steht, noch einmal aufatmen und freut sich höchstwahrscheinlich ehrlich mit dem Torschützen.

Es gelingt in der Folge in unseren Reihen spielerisch bei weitem nicht alles, aber die Vibes zeigen sich dennoch stabil, mit kontrolliertem Aufbauspiel und Torgefahr. Folgerichtig geht Stürmer Oskar kurz vor der Halbzeitpause, nach tollem Pass von Fredy, am Fi-Goalie vorbei und schiebt zum 2:0 ein (42.).

Wir, die wir uns derzeit viel mit dem tückisch wechselnden Match-Momentum beschäftigen, sind für den zweiten Durchgang auf wütend anstürmende Gäste eingestellt und wollen dies mit noch mehr Elan und Aggressivität beantworten. Das gelingt uns nicht so schlecht, wobei man auch anerkennen muss, dass es Fi tatsächlich gelingt, offensiv einen Gang hochzuschalten und uns vor anspruchsvolle Defensivaufgaben zu stellen.

Dass wir es verabsäumen, die dadurch entstehenden hundertprozentigen Kontermöglichkeiten – unter anderem verfehlen Kyryl und der eingewechselte Fabio das leere Tor – zum 3:0 oder gar 4:0 zu vollenden, liegt an unserer momentan augenscheinlichen Unfähigkeit, ein Match zu „killen“.

So liegt, trotz weiterhin guter Defensivarbeit, eine konstante Ladung Spannung in der Luft. Erst recht, als die Gäste in der 72. Minute infolge eines Eckballgestochers zum 2:1 treffen.

Aber immerhin. Mental sind wir nicht so schwach, wie unsere Matchverläufe suggerieren könnten. Unsere Antwort aufs Anschlusstor fällt regelrecht ungeschockt aus. Oskar zieht in der Schlussphase in den Strafraum, wird vom Fi-Verteidiger gelegt und Kapitän Max verwandelt den fälligen Elfmeter – trotz Torhüter-Mätzchen – sicher (80.).

Das Betteln wird vermeintlich erhört

Eine gechillte Schlussphase ist den Vienna Vibes dennoch nicht vergönnt. Denn nur drei Minuten später kommt einem der Gegner ein Traumschuss ins Kreuzeck aus (83.) und die Partie brennt so schnell wieder, wie sie vorher gelöscht worden war.

Und spätestens ab hier muss man konstatieren: So souverän wir über weite Strecken alles wegverteidigt haben, so sehr bricht das USK-Spielgerüst in den letzten Minuten dieser Begegnung in sich zusammen. Keine Kompaktheit, keine Ruhe am Ball, keine Cleverness, wenn es darum geht, wenigstens ganz uncharmant Zeit von der Uhr zu nehmen. Stattdessen servieren wir den nun wütend anrennenden Filern einen unsauber produzierten Spielaufbau nach dem anderen für gefährliche Gegenangriffe.

In der Nachspielzeit wird unser Betteln um den Ausgleich schließlich erhört, denn ein Gegenspieler zieht nach einem hoch sowie weit gespielten Ball allein auf Hans und verwertet zum Ausgleich.

Oder doch nicht. Denn zu unserer Erleichterung und gleichzeitig großem Entsetzen der Kotrahenten, hat der Schiedsrichterassistent seine Fahne gehoben. Obs stimmt oder nicht, können wir nicht beantworten. Auf jeden Fall haben wir uns schon lange nicht mehr so darüber gefreut, dass auf der Outlinie ein Angriff zurückgewachlt wurde.

So zittern wir dieses 3:2 doch noch über die Zeit und haben nun endgültig ein neues Lieblingsergebnis. Eines, das schon kurz nach Schlusspfiff philosophische Verdient-oder-Unverdient-Diskussionen heraufbeschwört.

So wollen wir diesen Spielbericht pragmatisch beschließen: Durch die Steigerung in der zweiten Halbzeit und den Sturmlauf zum Ende hin, hätte der FC Fi sicherlich etwas Zählbares aus dieser Partie verdient. Andererseits: Gehen unsere Rot-Weißen mit ihren zahlreichen Top-Möglichkeiten – vor allem jene kurz nach der Pause – nur ein Bisschen klarer und konkreter zu Werke, dann wird es final nicht einmal mehr spannend. Alles eine Frage der Perspektive.

MG