22. März dieses Jahres: Der USK bringt mal wieder keine Punkte vom Postplatz nach Hause (keine Sorge, der Spielbericht, der hier verlinkt ist, ist schon der richtige, man muss fürs Wesentliche nur ein Bisschen runterscrollen, weil sich unser Chronist hier ausgiebig selbst verwirklicht hat). Gegner: natürlich Endstation Hernals. Kurz vor Schluss fällt der Siegtreffer für die Gastgeber und in der Nachspielzeit noch ein weiterer. Die Hernalser liegen sich in den Armen, feiern ausgelassen, freuen sich, als hätten sie soeben den Aufstieg weißgottwohin klargemacht.
Zurecht. Die Spiele zwischen Vibes und der Endstation sind und bleiben etwas Besonderes. Und der Schlusspfiff schmeckt häufig für die eine Seite unglaublich süß und für die andere in gleichem Maße bitter. Wir verzichten an dieser Stelle auf geschichtliche Ausführungen mit gewonnenen Meistertiteln, provokanten Spielberichten und hitzigen Matches (haben wir ja eh schon so oft geschildert) – entweder man kennt die Geschichte zwischen diesen beiden Vereinen oder man kennt sie eben nicht. Spätestens am Spieltag spürt ohnehin jeder die besondere Energie, die in der Luft liegt.
Es geht ums Prestige – und noch mehr…
So auch am 11. Oktober desselben Jahres. Also letzten Sonntag: Die Vibes haben nicht vergessen. Sie erinnern sich gut an die bittere Niederlage in der letzten Saison, den geprügelten Abgang, während wir den Hernalser Feierlichkeiten erste Reihe fußfrei beiwohnen durften. Aber das muss man aushalten. Es ist schön, dass es in der DSG solche Duelle gibt. Und deshalb ist Rache an diesem vergangenen Sonntag auch kein geeignetes Gefühl, um in dieses Match reinzugehen. Sehr wohl aber, der sehnliche Wunsch, die Mannschaft sein zu wollen, die heute zuletzt lacht. Die Mannschaft, die lautstark feiert. Die Mannschaft, die sich über einen weiteren prestigeträchtigen Sieg freut.
Als wäre Vibes vs. Endstation nicht ohnehin schon glorreich genug, verspricht die Tabellensituation zusätzliche Brisanz. Beide Teams vorne dabei, beide Teams noch ungeschlagen. Eindeutig ein Spitzenspiel.
So gehen es die beiden Mannschaften auch an. Der Gegner zeigt sich technisch versiert, lässt die Kugel flott zirkulieren und geht im USK-Spielaufbau mit drei bis vier Mann aggressiv auf unsere Abwehrkette drauf. Dadurch stockt unser Ballbesitzspiel merklich, wir finden aber dennoch unsere Momente, da es uns immer mal wieder gelingt, das Angriffspressing der Gäste zu umspielen.
Einen solchen Moment haben die Vibes auch in der zehnten Minute, als Oskar durch einen Geniestreich von Kostya in die Tiefe geschickt wird und zur umjubelten 1:0 Führung abschließt.
Es geht in dieser Tonart weiter. Die Endstation hat mehr Ballbesitz, der USK die wesentlich gefährlicheren Torszenen. Und wie schon in den Wochen zuvor, gelingt es uns nicht, durch Kyryl und Bobo auf 2 oder gar 3:0 zu stellen und wir lassen das Spiel offen.
Stattdessen profitiert Hernals von einem unserer heute seltenen Abwehrfehler und trifft kurz vor der Pause zum Ausgleich (42.).
Ein unfreiwilliger Freistoß-Trick
Also nochmal von vorne. Der zweite Durchgang offenbart schnell, dass die Gäste der hohen Aggressivität in den ersten 45 Minuten Tribut zollen müssen. Zwar attackieren sie immer noch ganz vorne in großer Zahl, doch wir finden immer wieder Lücken, die wir bespielen können.
Bevor das jedoch wirklich relevant wird, bekommt der USK einen Freistoß an der Strafraumgrenze zugesprochen und folglich zu einer kuriosen Szene. Zunächst sind sich unsere Jungs uneinig, ob sie es denn jetzt direkt probieren oder irgendeine Variante spielen wollen. Diese Verwirrung schlägt offenbar bis in die gegnerischen Reihen um sich, denn als der schon konsternierte Bobo auf Druck des Schiedsrichters einfach auf Oskar ablegt, hat dieser genug Zeit, um seinen Strammen Schuss unter die Latte anzubringen. 2:1 (52.).
Die Vienna Vibes sind nun sehr präsent und wollen nachlegen. Ganz besonders Kyryl, der nur fünf Minuten später alleine vor dem endstationellen Torhüter auftaucht und auf ein scheinbar beruhigendes 3:1 stellt (57.).
Scheinbar. Denn wir kennen es ja. Erstens sind Matches gegen die Hernalser Ratten immer eng. Zweitens sind klare Siege in dieser Saison wahrlich unsere Sache (noch) nicht.
So auch heute. Als würden wir diesem ungeschriebenen Gesetz sofort Folge leisten wollen, hält der Zwei-Tore-Vorsprung keine zehn Minuten. Nach einem schnell ausgeführten Einwurf, kombinieren sich die Hernalser flott in unsere Gefahrenzone und stellen aus dem Rückraum auf 3:2 (64.).
So nervig das wieder aufkommende Zittern auch ist, geneigte Leser und Vibes-Fans wissen: das ist unser Lieblingsergebnis.
Und dieses verteidigen wir in einer hitzigen Schlussphase konsequent. Auch die elendslange Nachspielzeit (gut, die haben wir uns durchs eine oder andere Mätzchen verdient, so fair muss man sein) bringt dem hektischer und unruhiger werdenden Gegner keine große Ausgleichschance mehr. Einzig ein Nachschuss nach einem Eckball, der knapp am Tor vorbeistreift, lässt kurz unseren Atem stocken.
Doch dann ist es vorbei und unser Atem entweicht wieder, gemeinsam mit lauten Jubelschreien in den Wienerberger Nachthimmel sowie in die Gesichter der jeweiligen, gleichermaßen euphorischen, Mitspieler. Freude, Umarmungen, Welle, Jubelszenen, Feierlichkeiten in der Kabine. Als wären wir weißgottwohin aufgestiegen. So ist das nunmal bei Vibes vs. Endstation.
MG