„Unser Spiel“ – derzeit geflügelte Worte in USK-Kreisen. Diese Saison steht sehr stark im Zeichen der Frage, wie gut es uns gelingt „unser Spiel“ über 90 Minuten auf den Platz zu bringen und durchzuziehen.

Das hat sehr viel mit unserem Gegner am vergangenen Montag zu tun. LGV Wien – das Frischgemüse ist bedauerlicherweise aus dem Vereinsnamen verschwunden – hat uns vor nicht allzu langer Zeit als anno dazumal Tabellenschlusslicht im letzten Meisterschaftsspiel 2025/2026 einen derben Schandfleck in eine an und für sich ganz gute Saison gepatzt.

Der Spielfilm war ein Musterbeispiel für eine eigentlich drückend überlegene USK-Mannschaft, die mittendrin völlig den Faden verliert und den scheinbar geschlagenen Gegner in die Partie zurückholt – um letztendlich, nach mehrmaligem Zwei-Tore-Vorsprung, diese zu verlieren.

Eine interessante Aufgabe

Nun glauben wir ja von uns selbst, über die Sommerpause einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Insofern stand mit der Neuauflage des Duells in der Simmeringer Haidestraße, eine mehr als interessante Aufgabe bevor. Der Schritt, den der USK zwischen Juni und Oktober gemacht haben will, ließe sich kaum besser bemessen.

Es sei vorweggenommen: Tatsächlich legen die Vienna Vibes in diesem Spiel eine deutlich größere Reife an den Tag als im letzten Aufeinandertreffen.

Doch auch der Gegner dürfte in dieser Saison kein Abstiegskandidat (eh nicht mehr möglich, Grüße nach Meidling) mehr sein, sondern viel eher das Team, das wir schon im Vorfeld der letzten Spielzeit erwartet hatten.

Die vorderste Linie, bestückt mit gestandenen Ex-Regional- oder Stadtliga-Kickern, stellt unsere Abwehr von Anfang an vor technisch und physisch intensive Aufgaben. Diese werden nicht leichter, als schon nach neun Minuten Innenverteidiger Fredy, infolge eines unglücklichen Schrittes, verletzt ausgewechselt werden muss.

Noch schwieriger wird es, als die Gastgeber die anfänglichen Abstimmungsschwierigkeiten in unserer neu formierten Innenverteidigung ins Führungstor ummünzen (21.).

Dass wir jedoch auch mit Rückständen gut umgehen können, haben wir bereits vor einer Woche bewiesen. So spielen wir weiter „unser Spiel“ und kommen unsererseits zu einigen gefährlichen Angriffen. Einer davon wird durch ein Foul an Oskar im Strafraum unterbunden. Den fälligen Elfmeter verwandelt Bobo zum Ausgleich (29.).

Knapp zehn Minuten später folgt ein herrlicher Pass vom Torschützen auf Oskar, der sich den Ball mindestens genauso schön mitnimmt und dem herauskommenden LGV-Goalie keine Chance lässt (38.). Spiel gedreht.

Das ist schonmal super, wollen wir dieses Spiel allerdings tatsächlich gewinnen, dann müssen wir die schnellen Offensivleute des Gegners und den damit einhergehend ultradirekten Umschaltfußball entschärfen, der LGV – neben dem 0:1 – die eine oder andere weitere Großchance ermöglicht hat.

A, B oder C

Wir adaptieren daher zur Pause unsere Taktik und verändern damit erfolgreich die Spieldynamik. Zwar nicht unbedingt im Sinne feingeistiger neutraler Fußballbeobachter, aber unsere Defensive präsentiert sich im zweiten Durchgang wesentlich stabiler als in Halbzeit eins.

LGV ersetzt das Spiel mit maximal zwei Kontakten in die Spitze, durch einen einzigen Pass, meistens hoch, nach vorne.

Danach passiert entweder A: Der hohe Ball kommt nicht an und die Situation ist erledigt.

Oder B: Wir erobern die Kugel, sind aber meistens zu hektisch und ungenau, um die vorhandenen Räume im Konter sinnvoll und richtig gefährlich zu bespielen.

Oder C: Die Gegner bekommen einen Standard in aussichtsreicher Position zugesprochen. Mal durch ein ungeschicktes Foul unsererseits, mal weil der Schiri ein solches gesehen haben will. Jedenfalls kommt Option C für unseren Geschmack viel zu häufig vor. Auch weil der Gegner diese Standards org gut ausführt. So retten wir uns aus diesen Situationen manchmal selbst, zweimal die Latte und hie und da auch das Glück.

Welches der genannten Szenarien auch eintritt, Tor fällt hüben wie drüben keines mehr und wir feiern wieder mal einen hart erkämpften Arbeitssieg.

Haben wir „unser Spiel“ über 90 Minuten durchgebracht? Mitnichten. Aber die gute mentale wie taktische Einstellung hat uns dennoch über die Ziellinie gebracht. Und das bezeugt den gemachten Schritt zwischen Juni und Oktober wohl am besten. Als Belohnung freuen wir uns über den besten Saisonstart der USK-Geschichte. Inklusive Cup, halten wir bei vier Siegen in ebenso vielen Pflichtspielen.

Doch glaubt man der Tabelle, kommen die echten Gradmesser jetzt: als nächstes das Spitzenspiel gegen Endstation Hernals, kommenden Sonntag am Wienerberg. Sollte man sich geben.

MG