Wir haben’s ja schon vor Anfang der Saison gewusst: Diese Unterliga sprudelt über vor Meisterkandidaten. Gut, dass Nepomuk allen komplett davonziehen würde haben wir nicht gewusst, aber, dass sich hinter diesem einsamen Solorun ein geballtes Spitzenfeld gegenseitig die Punkte wegnehmen würde, konnte man mit Blick aufs Teilnehmerfeld bereits im August 2025 erahnen.

Dieses Spitzenfeld sollte mit besagten Nepomuks – mittlerweile auch rechnerisch fixer Meister (wir gratulieren aufrichtig) – Hotel Kalcio, die heuer selbst offensiv mit dem Platz auf der Eins geflirtet haben, Endstation Hernals auf dem Weg zurück zu alter Stärke, dem von dieser Gruppe nun abgefallenen SK Lation, den sich eben dorthin zurückgekämpft habenden Kasnudln und den Vienna Vibes mittendrin, nicht weniger als die halbe Liga umfassen. Ein Hauen und Stechen zur Freude aller Fans von spannenden Tabellenkonstellationen.

Nicht zufällig hatten wir die Winterpause zur möglichst wirksamen Vorbereitung auf direkte Duelle gegen unsere Tabellennachbarn durchgeplant. Angesichts der in dieser Zeit gewonnenen Erkenntnisse, war man im USK-Lager optimistisch, in Spitzenspielen eine gute Figur abgeben zu können.

Das letzte Spitzenspiel

Dass das leider nur äußerst partiell geglückt ist, zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse gegen Nepomuk, die Endstation und Co. Wir können unumwunden zugeben, dass wir uns in dieser Hinsicht etwas mehr Ausbeute erhofft haben.

Nun war es am vergangenen Samstag so weit, dass wir im Auswärtsspiel am Red Star-Platz noch eine letzte Möglichkeit bekamen, zu zeigen, dass wir auch gegen Kollegen unserer unmittelbaren Tabellenregion unseren Mann stehen können. Der Kasnudl AC ist nicht nur (mittlerweile wieder, nach versautem Saisonstart) so eine Mannschaft, sondern hat uns im Herbst eine ziemlich unlustige Heimniederlage zugefügt. In diesem Spiel waren wir buchstäblich so chancenlos, dass wir in der Folge unser Offensivspiel neu überdacht haben.

Für den USK war das also nicht nur eine Gelegenheit, gegen einen richtig guten Gegner zu reüssieren, sondern auch zu zeigen, wie hart wir in diesen sechs Monaten Offensivpower gepumpt haben.

Und…oha! Als wollten wir uns schon frühzeitig vom Professor für Angriffskunde die Eins mit Sternchen abholen, kombinieren die Vibes sich schon nach vier Minuten sehenswert in die Kärntner Gefahrenzone. Martin erinnert mit seinem Schlenzer an allerbeste Zeiten und stellt auf 1:0. Ein Traumtor.

Der USK ist stark in der Partie, lässt offensiv nicht nur anständig Gefahr aufblitzen, sondern zwingt auch die spielfreudige Heimmannschaft zumeist, ihr gefälliges Kombinationsspiel weit weg von unserem Tor aufzuziehen.

Wir hingegen gelangen immer mal wieder, zumeist über den giftigen Oskar, in den Kasnudl-Strafraum. So auch in der 25. Minute als unser Stürmer zum 2:0 abschließt.

Weiterhin hat der USK alles im Griff, doch ein seltener Schnitzer in der Abwehr holt die Heimischen zurück ins Match (29.).

Zur allgemeinen Beruhigung in unseren Reihen stellt Oskar nach einem langen Ball im Eins-gegen-Eins gegen den Torhüter souverän den alten Torvorsprung her (42.).

Gelingt es uns diese laut Präsi, Aushilfscoach und Edeljoker, Philipp „beste Halbzeit seit langem“ in die zweiten 45 Minuten zu transportieren?

Vorsprung blitzartig weg

Zunächst einmal gar nicht. Schon in der 51. Minute gehen die Kasnudln auf rechts steil, flanken in die Mitte und sorgen dort mit einem – so ehrlich muss man sein – sehenswerten Fersentreffer für wiederaufkommende Spannung, die uns natürlich herzlich gestohlen bleiben könnte.

Acht Minuten später wird’s dann für die Kasnudln etwas gar einfach. Wir verteidigen eine Freistoßflanke nicht energisch genug und ein unhaltbar über Hans hinweg ins lange Eck gesetzter Kopfball macht das so großartig im ersten Durchgang Erarbeitete, binnen kurzer Zeit wieder kaputt (59.).

Hier ist sie, die Bewährungsprobe für unsere Gemüter. Das Momentum liegt natürlich auf Seiten der orangen Gastgeber. Doch anstatt dem nachzugeben, gewinnen die Vibes nach und nach die Spielkontrolle zurück und setzen den Gegner vor allem Gegen Ende immer mehr unter Druck – allerdings nicht mit der Offensivpower der ersten Halbzeit.

Zwar kommen wir noch durch einen Schuss von Kyryl, der knapp daneben geht, einen Kopfball, der etwas zu zentral gesetzt ist und ein Last-Minute-Abseitstor des eingewechselten Andi (das wahrscheinlich eh wieder kein Abseits war) zu Gelegenheiten, doch wir spielen in Summe weniger zwingend als in den ersten 45 Minuten.

Deshalb müssen wir uns mit diesem 3:3-Remis und gegenseitigen Gratulationen, dass das ein flottes, sehenswertes Match gewesen sei, begnügen.

Und was sagt jetzt der Professor von der Fakultät der Angewandten Offensivqualitäten? Der lobt den Schüler besonders für die erste Halbzeit, in dem der USK wirklich gezeigt hat, dass zwischen Herbst und Frühjahr ein sichtbarer Entwicklungsschritt liegt. Ein Minus gibt’s für den allzu sorglosen Umgang mit Zwei-Tore-Vorsprüngen, ein Plus hingegen für die in der Folge sofortige Rückbesinnung auf Spielkontrolle, trotz moralischer Gnackwatsch’n.

Der Prof streicht hervor, dass wir in Summe gegen eine gute Mannschaft ebenfalls wie eine gute Mannschaft ausgesehen, weitgehend dominiert und uns des Spitzenfeldes würdig erwiesen haben. Deshalb ist er nicht völlig unzufrieden.

Für einen glatten Einser müssen wir über den Sommer aber noch ordentlich strebern.

MG